Meine erste Zugfahrt in Vietnam: Nha Trang – Da Nang

Nachdem ich also aus dem regnerischen Da Nang nach Nha Trang geflüchtet war, um zumindest ein paar vietnamesische Sonnenstrahlen abzubekommen, hieß es die Rückreise anzutreten. Meine Route: Nha Trang nach Da Nang mit dem Nachtzug, Da Nang nach Hanoi per Flugzeug und schließlich Hanoi – Bangkok ebenfalls per Flugzeug.

Ich möchte euch hier zunächst von meiner ersten Zugfahrt in Vietnam und sogar Südostasien erzählen. Was für eine Zugfahrt!

Für 480.000 VND (umgerechnet sind das ca. 20€) erhält man ein Zugticket von Nha Trang nach Da Nang für die erste Klasse. Die erste Klasse zeichnet sich dadurch aus, dass man ein Vierer-Abteil hat, ein Bett und eine Klimaanlage. Klingt doch ganz gut, oder? Die Fahrtdauer beträgt ca. 10 Stunden.

Ticketkauf am Abend zuvor.
Ticketkauf am Abend zuvor.

Am nächsten Tag also ging es zum Bahnhof. Ich kaufte noch ein paar Kleinigkeiten zu Essen und eine Flasche Wasser ein und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort angekommen, wartete ich kurz in der Eingangshalle und begab mich dann – nach Öffnen der Tore – an den Bahnsteig. Dann fuhr der Zug ein… die ersten Wagen waren offensichtlich für Fahrgäste der dritten Klasse. Sitzbänke, Gitterfenster und höchstwahrscheinlich keine Klimaanlage. Zum Glück hatte ich Luxus-Traveler für die erste Klasse gebucht 😛

Nun hieß es: Einsteigen! Inzwischen hektischer Vietnamesen, die Waren ein- und ausluden, versuchte ich mir meinen Weg in den Zug und zu meinem Abteil zu bahnen. Nachdem ich mich also an der Tür vorbei und durch zahlreiche Menschen mit Kartons und Koffern gekämpft hatte, fand ich mein Abteil. Ich öffnete die Tür und begrüßte eine junge vietnamesische Mutter mit ihrem goldigen – vielleicht zweijährigen – Sohn. Sie lächelte zurück und ich ließ mich auf meinem kleinen aber feinen Bett nieder.

Mein Bett
Mein Bett 😀

Das Abteil war so aufgebaut, dass man beim Betreten zwischen den Betten stand. Quer zur Fahrtrichtung quasi. Über unseren Betten gab es jeweils noch eins, sodass es insgesamt vier Betten auf gefühlt 4m3 waren. Nachdem der Zug gerade losgerollt war und ich mir mein Quartier für die nächsten Stunden einrichtete, betrat ein Typ in meinem Alter das Abteil. Wir begrüßten uns mit einem freundlichen Nicken und kamen kurze Zeit darauf in’s Gespräch. Er, Andrea, Italiener, 26 und ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem NGO in Kambodscha, nahm gerade ein paar Tage Urlaub, um durch Vietnam zu reisen. Wir waren irgendwie sofort auf einer Wellenlänge und unterhielten uns über unsere Reisen, Zuhause, Zukunft, Freunde und vieles mehr. Er aß derweil seine Teigbällchen, die er im Bord-Bistro gekauft hatte. Ich hatte dankend abgelehnt, als er mir welche anbot. Zwei Gründe sprachen dagegen:

  1. eine Über-Portion Reis mit Schweinefleisch in pikanter Fischsauce, die ich kurz vor Abfahrt weggeatmet hatte
  2. der Graus davor, im Zug auf Klo zu müssen… (zu dem Zeitpunkt ungesehen, wohlgemerkt!)

Mein Bauchgefühl sollte sich hier später bestätigen 😉

Nachdem wir also eine Weile gequatscht hatten und uns als stille Revolutionäre geoutet hatten, wagte ich den Versuch etwas zu schlafen. Es war zwar gerade einmal 18:00, aber dafür stockduster. „Ein wenig Schlaf vorzuholen“, dachte ich mir, „ist gar keine schlechte Idee!“. Immerhin sollte ich Bangkok erst um ca. 15:00 Uhr des nächsten Tages erreichen.

Als Schlafmittel hatte ich mir ein paar YouTube Videos zum Thema „Adobe Lightroom“ und diverse Playlists auf Spotify runtergeladen. Brachte aber alles nichts… Also noch etwas mit Andrea quatschen und später einen zweiten Versuch starten. Yes! Hat geklappt! Die Schlafqualität litt leider etwas unter der schaukeligen Schiene-Zug-Kombination aber ich hatte trotzdem überraschend gut geschlafen.

Als ich schließlich voll in der Realität war und mir den Schlaf aus den Augen gerieben hatte, bekam ich den Schreck meines Lebens!

„Ich hab’ verpennt, oder?“ dachte ich mir und schaute hektisch auf die Uhr: 02:35. Sollten wir nicht um 02:28 ankommen?? iPhone raus, Google Maps an, Standort suchen. Da Nang! F*ck! „Sind wir vorbei?“

Ich sprintete aus meinem Abteil in Richtung eines Schaffners und fragte ihn panisch „Da Nang?“. Er lächelte, nickte und tippte mit seinem Finger auf den Fahrplan. „Ankunft Da Nang: 02:28 Uhr“. Auf meiner Casio war es mittlerweile 02:38 Uhr, doch das schien ihn nicht groß zu beeindrucken.

„Was zur Hölle soll das jetzt heißen?“

Zurück im Abteil angekommen fing’ ich an, meinen Kram zu packen. „Ich verpass’ doch keine zwei Flüge und eine Hostelreservierung, weil ich verpennt hab’!“ dachte ich mir.

„Dann spring’ ich eben!“

Ok, ich wäre nicht gesprungen…

Andrea war in der Zwischenzeit auch aufgewacht und fragte mich, was los sei. Ich erklärte ihm aufgeregt die ganze „02:28-lächeln-nicken-02.42-Geschichte“ und packte weiter. Er holte sein iPhone raus und öffnete Google Maps.

„Wir sind doch noch gar nicht da?“ sagte er halb fragend.

Ich so. „Hä?“

Er zeigte mir die Karte und tatsächlich! Wir waren noch gut einen Kilometer vom Bahnhof entfernt. Va bene! Dann hab ich sogar noch ein paar Minuten, um mich frisch zu machen 😉

Und die Moral der Geschichte? Entspann dich Oli und lern’ Karten lesen 😀

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